Zwischen Hoffen und Warten

Manchmal fühlt es sich an, als würde mir der Boden unter den Füßen weggezogen: Termine werden verschoben, Nebenwirkungen nehmen zu, und das Leben wird langsamer. Trotzdem möchte ich offen über diese Zeit schreiben: über meine Ängste, meine Kräfte und darüber, warum ich trotz allem Schritt für Schritt nach vorne schaue.

Ich war bereit für den 4. Zyklus. Saß schon in der Tagesklinik, als die Blutkontrolle wiederholt werden musste, weil die Werte vom Vortag nicht gut genug waren. Es war unklar, ob ich die Chemo überhaupt bekommen würde. Leider hatte sich nichts verbessert. Also rief ich das Taxi wieder zurück und fuhr nach Hause. Der Termin wurde um eine Woche verschoben.

Es war ein furchtbares Gefühl. Auch wenn ich wusste, dass ich nichts dafür konnte, machte ich mir Vorwürfe. Mein Körper reagiert bisher immer so. Deshalb bekomme ich jetzt nach jeder Chemo eine Spritze, damit sich die Werte schneller erholen.

Die Nebenwirkungen

Als es schließlich losging, waren die Nebenwirkungen wieder dieselben. Die erste Woche war hart: Vier Tage lang lag ich fast nur im Bett. Schlafen konnte ich zwar nicht, aber ich war so erschöpft und hatte starke Knochenschmerzen, dass an Bewegung kaum zu denken war. Dazu kamen Herzrasen, Kurzatmigkeit, Sodbrennen und Übelkeit.

In der zweiten Woche brauchte ich weiterhin viel Ruhe. Der Körper braucht inzwischen länger, um sich zu regenerieren. Immerhin ging es so weit, dass ich wieder auf dem Sofa sitzen konnte. Gegen Ende der Woche konnte ich langsam etwas unternehmen, aber nur in Ruhe und so, wie es mein Körper zuließ.

Wird der 5. Termin klappen?

Letzte Woche stand die 5. Chemo an, wieder mit schlechten Werten. Mein Körper schafft es nicht mehr, sich allein richtig zu regenerieren, die Zahlen stiegen nur minimal. Nach Rücksprache mit den Ärzt*innen wurde entschieden, die Behandlung trotzdem durchzuführen und danach verstärkt zu spritzen, damit die Leukozyten wieder hochgehen.

Das ist jedoch riskant. Da mein Wert ohnehin nicht gut war, fiel er nach der Chemo noch weiter ab. Jetzt heißt es: selber spritzen und hoffen, dass sich die Werte stabilisieren.

Leben in langsameren Schritten

Seit einiger Zeit merke ich, dass ich immer weniger schaffe. Alles hängt davon ab, wie es mir gerade geht und was meinem Körper guttut. Doch das ist gar nicht so einfach einzuschätzen.

Jede Kleinigkeit strengt mich an, danach brauche ich viel Zeit, um wieder zu Kräften zu kommen. Ich verbringe inzwischen viel mehr Zeit zu Hause und ruhe mich aus. Früher fiel mir das schwer, so stillzusitzen, jetzt merke ich, dass mein Körper genau diese Ruhe braucht.

Trotzdem gelingt es mir noch, mich abzulenken. Aber es ist etwas völlig anderes als vorher. Statt Routinen mit Arbeit und privaten Terminen gibt es nun Pausen, Einschränkungen und Rückschritte. Eine Chemo habe ich noch vor mir, dann ist zumindest dieser Abschnitt geschafft. Danach folgen noch Immuntherapien und die Bestrahlung. Aber auch das werde ich schaffen.

Blick nach vorne

Auch wenn es an die Psyche geht: Ich fühle mich immer kränker, und man sieht es mir auch an. Keine Haare, keine Augenbrauen, mein Körper wirkt fremd mit all den Narben und den schwankenden Nebenwirkungen.

Doch ich halte durch. Schritt für Schritt. Im Wissen, dass ich irgendwann mein Leben und meinen Körper zurückbekomme.

Auch wenn der Weg noch nicht zu Ende ist, weiß ich: Jeder Schritt bringt mich näher an die Zeit, in der ich wieder frei atmen, leben und lachen kann. Mein Körper verändert sich, mein Leben steht Kopf, doch mein Wille bleibt. Denn ich weiß: Das hier ist nur ein Kapitel, nicht das Ende meiner Geschichte.

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